Paper of the Month #3: Hohmann E und Ebert JR et al

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Der Einsatz isokinetischer Tests zur Beurteilung der Oberschenkelmuskelfunktion nach einer ACL-Rekonstruktion oder bei Patienten mit chronischer ACL-Insuffizienz nimmt in der wissenschaftlich-klinischen Literatur eine wichtige Stellung ein. Die neuesten Papers of the Month (PoM) liefern neue und wertvolle Informationen über diese Problematik, unterstreichen aber gleichzeitig den akuten Bedarf an Protokollstandardisierung und Dateninterpretation. 

Prof. Dvir kommentiert:

Die Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Oberschenkelmuskulatur und ihrer Rolle bei ACL-Defizienz oder der Rehabilitation nach der Rekonstruktion des Bandes ist vielleicht die am häufigsten untersuchte Einzelpathologie in der isokinetischen Literatur. Hunderte von Arbeiten, die entweder die Mangelfunktion oder die chirurgischen Ergebnisse untersuchten, beschrieben eine allgemeine Extensions- und Flexionsinsuffizienz sowohl in Bezug auf Kontraktionsmodi als auch auf Testgeschwindigkeiten. Allerdings wurde ein bestimmter Raum für die Kraftverhältnisse reserviert, die entweder zwischen beiden Beinen eines Probanden oder das gleiche Bein vor und nach der Rekonstruktion erhoben wurden. Für erstere bezieht sich die Analyse auf die beteiligte (i) und die Kontroll(s)-Seite in konzentrischen (con) und/oder exzentrischen (ecc) Modi wie z.B. Qiecc/Qsecc. Für letztere handelte es sich um das weit verbreitete Hcon/Qcon-Verhältnis, das weniger verwendete Hecc/Qecc und um das wahrscheinlich wesentlich aussagekräftigere "Dynamic Control Ratio" (DCR) oder "Funktionsverhältnis": Hecc/Qcon. Vor kurzem wurde das DCR um den Wert des Drehmoments und den Kniebeugewinkel am Gleichgewichtspunkt DCRe erweitert, d.h. wenn das DCR der Einheit entspricht (1.0).

Die Ergebnisse zahlreicher Studien, insbesondere im Bereich der postoperativen Rehabilitation, spiegeln jedoch nicht einstimmig die Vielfalt der chirurgischen und rehabilitativen Eingriffe wider und zeigen gleichzeitig einen deutlichen Mangel an Standardisierung, sowohl in den Testprotokollen als auch in den Ergebnismessungen. Ein gutes Beispiel für diese Situation sind in der Tat die beiden hervorragenden Arbeiten dieses Monats, die beide aus Australien stammen. In dem Papier von Hohmann et al. wurden die HQ-Verhältnisse bei Probanden mit ACLD und nach ACLR (PTBG-Technik) untersucht; die Tests schlossen konzentrische und exzentrische Kontraktionen über drei Geschwindigkeiten ein, jedoch ohne Einbeziehung der DCR- oder DCRe-Parameter. In der Arbeit von Ebert et al. basierte die ACLR auf Probanden, die sich einem Kniesehnen-Autograft unterzogen, während der isokinetische Test auf die Verwendung einer einzigen, konzentrischen Geschwindigkeit beschränkt war. 

Der Versuch, solide Werte für isokinetische Parameter von "ACL-Patienten" zu präsentieren, ist daher sinnlos. Andererseits, wie beide Arbeiten zeigen, bietet die isokinetische Bewertung innerhalb der Grenzen der Studie ein valides und leistungsfähiges Werkzeug zur Beurteilung des funktionellen Status ihrer Kohorten, entweder als unabhängige Ergebnismessung oder in Verbindung mit anderen leistungsbezogenen Testergebnissen. Wenn beide Forschungsgruppen die gleichen isokinetischen Protokoll- und Ergebnismessungen verwenden würden, könnten die Ergebnisse möglicherweise aussagekräftiger sein. In diesem Zusammenhang wird der wichtige und unvermeidliche Standardisierungsbedarf bei isokinetischen Tests augenscheinlich, insbesondere in Bezug auf klar definierte Patientengruppen.     

Die Studie von Hohmann et al finden Sie hier
Die Studie von Ebert et al finden Sie hier
Die Arbeiten können direkt beim Verlag erworben werden.

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Zitierung
Hohmann E, Tetsworth K, Glatt V. The hamstring/quadriceps ratio is an indicator of function in ACL-deficient, but not in ACL-reconstructed knees. Archives of Orthopaedics and Trauma Surgery, doi: 10.1007/s00402-018-3000-3, 2018.

Ebert JR, Edwards P, Yi L, Joss B, Ackland T, Carey-Smith R, Buelow J-U, Hewitt B. Strength and functional symmetry is associated with post-operative rehabilitation in patients following anterior cruciate ligament reconstruction. Knee Surgery Sports Traumatology and Arthroscopy, 26:2353-2361, 2018.

Paper of the Month - die Initiative

Das Hauptziel der PoM-Initiative ist es, als Update-Forum für Anwender der isokinetischen Dynamometrie zu dienen. Jüngste Arbeiten zu dieser Technologie und ihren Anwendungen (in der Regel der letzten 3 Monate) werden regelmäßig von Prof. Zeevi Dvir gesichtet. Ausgewählt werden die Studien, die seiner Meinung nach einen wichtigen/relevanten Beitrag zur Wissenschaft der isokinetischen Untersuchungen und Konditionierungen darstellen. Bei der Auswahl werden die Innovationskraft, die wissenschaftliche Genauigkeit und die potentielle Anwendbarkeit der Studie ohne Vorurteile berücksichtigt, was PHYSIOMED's Engagement für die höchsten Standards unterstreicht, für die das Unternehmen als weltweit führender Anbieter von isokinetischen Technologien steht.

Prof. Dvir ist an der Fakultät für Physikalische Therapie der Sackler Faculty of Medicine der Universität Tel Aviv tätig und arbeitet auch als nicht-lehrender Professor am Biomechanics and Ergonomics Lab, School of Kinesiology and Health Studies (SKHS), Queen's University, Kanada.  

Prof. Dvir ist international führend in der Isokinetik. Er ist Autor des in diesem Bereich allgemein anerkannten führenden Titels "Isokinetics: Muscle Testing, Interpretation and Clinical Applications" (Churchill Livingstone, 1st ed., 1995; Elsevier 2nd ed., 2004). Seit 1998 ist er auch Chefredakteur der Isokinetics and Exercise Science (IOS Press, Amsterdam, Holland), der einzigen internationalen Zeitschrift, die sich mit den wissenschaftlichen und praktischen Aspekten der Technologie beschäftigt. Prof. Dvir hat mehr als 60 Arbeiten zur Isokinetik veröffentlicht. Er prägte die Begriffe Dynamic Control Ratio (DCR), auch bekannt als das funktionale Verhältnis. Die DCR wurde hauptsächlich im Zusammenhang mit dem muskulären Gleichgewicht das Knie betreffend angewendet, insbesondere im Hinblick auf ACL-Defizite und -Rekonstruktion und wird als das Verhältnis Hecc/Qcon ausgedrückt. Prof. Dvir war auch der Erste, der die DCE (Differenz zwischen dem Ecc/Con-Verhältnis bei hoher und niedriger Geschwindigkeit) beschrieb, um den submaximalen Aufwand zu beurteilen: ein Kernkonzept in der gerichtsmedizinischen Analyse von Muskelschwäche. Ein ihm zugeschriebenes US-Patent ebnete den Weg zu einer Reihe von Veröffentlichungen, die die Verwendung von isokinetischen Tests und Konditionierungen für kurze Bewegungsumfänge beschreib

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